Diese Route ist der Weg der Wege, seit Warschau im 16. Jh. Hauptstadt des Königreichs Polen wurde. Er verbindet den Adelspalast Wilanów mit den königlichen Parks und dem Königsschloss in der Altstadt. Besonders lohnend ist der hier beschriebene letzte Streckenabschnitt, der gesäumt ist von vielen repräsentativen Bauwerken und dem Sehenswertesten, was Warschau zu bieten hat: Nobelstraße, Universität, Schloss, Präsidentenpalast, Altstadt. Der königliche Spaziergang dauert zwei bis drei Stunden.
Startpunkt ist der Drei-Kreuze-Platz, der Plac Trzech Krzyży. Mitten auf dem Platz ragt die klassizistische Alexanderkirche auf. Kaum zu glauben, dass sie im Krieg zerstört wurde, so perfekt wurde der dem römischen Pantheon nachempfundene Rundbau 1950 wiederaufgebaut. Der Königsweg (Trakt Królewski) folgt nun immer geradeaus der Straße Nowy Świat (Neue Welt). Rechts taucht schon bald ein merkwürdiger architektonischer Zwitter auf: eine hypermoderne Glas- und Stahlfassade, sekundiert vom massiven Quader eines weiteren Hauptdarstellers der Volksrepublik Polen. Hier residierte einst das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei. Ironie der Geschichte, dass im sogenannten Weißen Haus seit einiger Zeit die Warschauer Börse ihren Sitz hat.
Nun kommt eine Palme ins Blickfeld, die sich mitten auf einer der wichtigsten Kreuzungen der Stadt erhebt, dem Rondo de Gaulle. Natürlich ist das 12 m hohe »Gewächs« nicht echt, aber den Warschauern gefällt's, und die Touristen staunen. Sie überqueren die Kreuzung und gehen weiter auf der Nowy Świat, die nun überraschend schmal, ruhig und vor allem schick wird. Seit Jahrzehnten ist dies die feinste Straße Polens mit luxuriösen Boutiquen und Salons. Hier gab es schon zu sozialistischen Zeiten alles, was es eigentlich nicht geben durfte: Schmuck, Parfüm und Kleidung aus dem Westen. Am Wochenende im Sommer ist die »Neue Welt« ganz für den Autoverkehr gesperrt, und Spaziergänger können ungestört flanieren, aber auch sonst dürfen hier nur Taxis und Busse fahren, und die Bürgersteige sind besonders breit. Restaurants und Lokale laden zur Rast ein, so das legendäre Café Blikle, die älteste Warschauer Konditorei (seit 1869), wo es die besten pączki (Krapfen) der Stadt gibt.
Auf der linken Straßenseite versteckt sich, vielleicht 200 m hinter dem Rondo de Gaulle, ein Ladenlokal, das nicht recht in die exklusive Umgebung passen will: die Bar Familijny (Nr. 39), eine der vielen sogenannten Milchbars.
Überqueren Sie nun die ul. Świętokrzyska, und gehen Sie am klassizistischen Staszyc-Palais der Akademie der Wissenschaften mit dem Denkmal von Nikolaus Kopernikus davor vorbei. Auf der linken Seite erscheint bald die Heiligkreuzkirche, in der das Herz von Frédéric Chopin aufbewahrt wird. Wenige Schritte später folgt das spätbrocke Czapski-Palais und gegenüber der Komplex der 1818 gegründeten Warschauer Universität. Gehen Sie an den imposanten Skulpturen der Universitätsbibliothek vorbei auf den Campus, und schlendern Sie ein wenig um die akademischen Gebäude.
Weiter geht es auf der Hauptstraße, die inzwischen Krakowskie Przedmieście (Krakauer Vorstadt) heißt. Bald kommt rechts das feine, 1901 im Stil der Neorenaissance erbaute Hotel Bristol in Sicht und dann auch schon der weiße Radziwill-Palast, eines der geschichtsträchtigsten Gebäude Warschaus und seit 1994 Amtssitz des Staatspräsidenten. Am Rand des Schlossplatzes (plac Zamkowy) ragt rechts die Studentenkirche St. Annen auf, von deren Turm man einen schönen Blick auf die Altstadt hat. Auf der gegenüberliegenden Seite thront, äußerlich relativ bescheiden, hoch über dem Weichselufer das Königsschloss.
Vom Schlossplatz folgen Sie dem Hauptweg in die Altstadt (Stare Miasto, vorbei an der Kathedrale. Auf dem kleinen Marktplatz können Sie eine Rast einlegen und z. B. ein Eis von W. Hoduń in der ul. Freta 16 genießen. Gestärkt spazieren Sie weiter durch das Stadttor in die Neustadt, vorbei an den vielen kleinen Souvenirläden und Restaurants. Sowohl in der Alt- als auch in der Neustadt bieten sich Abstecher vom Hauptweg an, rechts liegen einige Aussichtsplattformen mit Blick auf die Weichsel. Hier können Sie erkennen, dass die Altstadt einst wie eine Burganlage gebaut worden ist. Einen Spaziergang wert ist auch die ul. Długa in Richtung Plac Bankowy mit ihren herrschaftlichen Häusern.
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