Sizilien

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Touren & Ausflüge

Via del Sale

Von Trapani führt auf Nebenstraßen längs der Küste die »Via del Sale«, die »Salzstraße«, nach Marsala. So präzise die Grenzen von Wasser und Land vom flach am Meer abbrechenden Kalkstein auch gesetzt werden, für das Auge gehen Himmel, Salinen, die Lagunen und die flachen Inseln mit ihren Pinienreihen und verlassenen Häusern ineinander über: eine Landschaft für Sehnsüchte. Aus der Ebene steigt der zerklüftete Felsklotz des Eryx ebenso unvermittelt auf wie die drei Inseln aus dem Meer, Favignana, Levanzo und Marettimo. Die Route ist zwar nur 55 km lang, doch um ausreichend Zeit für die Insel Mozia zu haben, sollten Sie einen ganzen Tag dafür freihalten und nicht vergessen, etwas fürs Picknick mitzunehmen.

Der lange, heiße Sommer und die fast immer vorhandene Brise begünstigen die Industrie, die hier seit Jahrhunderten im Einklang mit der Natur aus Wasser, Sonne, Wind und menschlicher Arbeit Salz gewinnt. Von 1960 an wurde eine Saline nach der anderen geschlossen, und die Windmühlen zerfielen. Als 1984 die Salzgärten Erdölraffinerien weichen sollten, engagierten sich Naturschützer für den Erhalt dieser einzigartigen Landschaft und die Wiederinbetriebnahme eines Teils der Salinen mit ihren Windmühlen. Heute wird etwa die Hälfte der früheren Fläche wieder bewirtschaftet. Zwei Anlagen beherbergen Museen, fünf Windmühlen wurden restauriert. Diese Mühlen trieben die Pumpen für die Salzsole an und die Mühlsteine zur Zerkleinerung der Salzbrocken.

Auch wenn heute Maschinen einen Teil der Handarbeit übernommen haben, wird hier im Unterschied zu anderen Salinen in Italien noch viel von Hand gearbeitet. Der Salinenbetrieb ist ein Teil des Naturschutzprojekts, das 1995 beim Wettbewerb um den Preis »Tourismus und Umwelt« der Europäischen Union den zweiten Platz der italienischen Kandidatenliste belegte. Die Erhaltung der Salinen und die Restaurierung der Mühlen finanzieren sich teilweise durch die Salzgewinnung und beschäftigen Menschen, die hier drei bis vier Monate arbeiten, bevor sie im Herbst und Winter als Saisonarbeiter bei der Weinlese und Olivenernte im unmittelbaren Hinterland in Lohn stehen.

Sie nehmen in Trapani die Nebenstrecke nach Marsala (Ausschilderung Richtung Flughafen/Birgi, später auch »Via del Sale«). Hinter der Autobahnauffahrt zweigt eine Stichstraße zur Salina Galia ab, wo die Becken überwiegend der Fischzucht dienen und Reiher, Löffler, Austernfischer und im Sommer auch Flamingos anlocken, die hier als Zugvögel einige Monate lang bleiben.

5 km südlich von Trapani führt eine Straße zur Salina di Nubia. Dort sind im Museo del Sale (tgl. 9.30-13.30 u. 15.30-18.30 Uhr, Eintritt 2 Euro) Werkzeuge, Fotos und Modelle ausgestellt, die den Ablauf der Salzgewinnung zeigen. Der Besitzer der Saline, Alberto Culcasi, bereitet, wenn er wenigstens zehn Gäste hat, auch Gerichte mit frischem Fisch aus den Salinenbecken oder das einfache Essen der Salzarbeiter: Brot mit Tomaten; Sardinen, Käse, Oliven, Wein und natürlich Salz (Tel. 09 23 86 74 42, €).

Im März wird bei hohem Wasserstand frisches Meerwasser in das erste Becken gefüllt, in dem auch die Speisefische gezüchtet werden. Nach der ersten Verdunstung wird das Wasser in ein flacheres Nachbarbecken abgelassen und von dort, wenn die Salzkonzentration weiter gestiegen ist, in eine Reihe kleiner Becken hinaufgepumpt, in denen die Verdunstung schrittweise bis zur Kristallbildung stattfindet. Nach drei Monaten wird das Salz »geerntet«, zur weiteren Verdunstung aufgehäuft und bleibt dann unter Tonziegeln gegen den Winterregen geschützt bis zum darauf folgenden Frühjahr liegen. Dabei verdunstet ein großer Teil des Wassers, das noch im Salz enthalten ist.

Zurück auf der Hauptstraße, folgen Sie ihr Richtung Marsala, bis Sie hinter dem Flughafen in die Straße nach Birgi Novo einbiegen, einem Dorf mit flachen Häusern inmitten von Weingärten. Man fährt dann auf einer schmalen Straße südwärts immer am Ufer der Lagune entlang, die zwischen 30 cm und 4 m tief ist, eine reiche Unterwasserflora besitzt und zahlreiche Wasservögel anzieht. Auf der Höhe der Insel Mozia befindet sich die größte der noch aktiven Salinen, Ettore Infersa (tgl. 9-16, im Sommer bis 18 Uhr, Eintritt 3 Euro, www.salineettoreinfersa.com). Hier haben Sie Gelegenheit zur Besichtigung der Salzgärten, eines Museums und einer Mühle, und Sie können Salz kaufen. Davor fahren die Boote nach Mozia ab (9 Uhr bis 2 Std. vor Sonnenuntergang, 4 Euro). Sie können auch Kanus für Fahrten in der Lagune und zu den Inseln mieten (Ein- und Zweisitzer, 6 Euro pro Std.). Fisch aus den Salinen und der Lagune bekommen Sie im Ristorante Mothia (Tgl., Tel. 09 23 74 52 55, €) beim Anleger.

Mozia ist mit Pinien, Palmen und Weingärten bestanden. Die Insel war bis zu ihrer Zerstörung durch die Griechen 397 v. Chr. eine befestigte phönizische Hafenstadt, von der noch beachtliche Reste zu sehen sind. Man kommt zu Fuß in zwei, drei Stunden einmal um die Insel herum. Im Süden sind Becken und Mauern des 2500 Jahre alten Hafens zu sehen, im Norden das Urnengräberfeld mit roh gearbeiteten Grabsteinen, den Tophet, und der Ausgrabungsbezirk Cappiddazzu, ein monumentaler Tempel der Tanit, neben Baal Hauptgottheit Karthagos, das die Insel zum Stützpunkt ausbaute. Vom Tempel sind Fundamentreste, Mauern und Mosaiken erhalten. Außerdem findet man die Mauern des alten Stadttors, das zur Strada Punica hinausführt, einer heute noch während der Weinlese von Karren befahrenen Straße aus großen Steinblöcken, die auf dem Grund der Lagune nach Birgi führt.

In der Villa des englischen Weinmagnaten Joseph Whitaker ist heute das Museum mit Funden aus der punischen Vergangenheit von Mozia und Marsala untergebracht. Sein Glanzstück ist eine lebensgroße Marmorfigur: der Ephebe von Mozia, eine griechische Arbeit aus dem 5. Jh. v. Chr., die einen Jüngling mit reich gefälteltem Gewand darstellt. Zahlreiche Kleinkunstwerke aus dem Ägypten der Pharaonen belegen ebenso wie die prachtvollen griechischen Vasen aus den unteritalienischen Städten, aber auch aus Attika und Korinth, die weit reichenden Handelsbeziehungen der Inselstadt (Museum und archäologische Zonen tgl. 9-15, März-Sept. bis 19 Uhr, Eintritt 6 Euro).

Die Straße nach Marsala folgt weiter der Küste mit Fischersiedlungen und Ferienhäusern. Am Capo Lilibeo, dem westlichsten Punkt Siziliens, erinnert eine Gedenksäule an die Landung Giuseppe Garibaldis und seiner tausend Gefährten am 11. Mai 1860, die den Zusammenbruch des Bourbonenkönigreichs von Neapel und Sizilien und die Einigung Italiens einleitete.

Information: APT Trapani, Via San Francesco d'Assisi 27, Tel. 09 23 54 55 11, Fax 09 23 54 55 17, www.apt.trapani.it

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