In der 750 000-Einwohner-Stadt pulsiert das Leben traditionell laut und heftig. Es begann so richtig erst vor 200 Jahren mit der Vertiefung des Clyde zu einem schiffbaren Fluss von der Mündung bis zum 30 km entfernten Glasgow. Als britisches Zentrum für Schiffsbau erarbeitete sich die größte schottische Stadt Reichtum. Die glänzende Seite dieser Geschichte ist an den zeitgenössischen Grabmonumenten auf dem Friedhof Necropolis abzulesen. Die graue Seite waren die Gorbals, die tristen Arbeiterviertel, von denen auch heute noch hässliche Wohnblocks im East End künden. Das Ende des Schwerindustriezeitalters traf die Stadt zwar hart, aber es traf auch eine Stadt, die schon immer auf ihre pragmatische Wandlungsfähigkeit stolz gewesen ist - ein Kontrast zum eher konservativen, im immergleichen Stil gereiften Edinburgh. Seit den 80er-Jahren steht Glasgow wieder auf und definiert sich neu. Dabei hilft der traditionell sehr kommunikative Charakter der hemdsärmeligen Glaswegians, den auch Reisende verstehen, denen der starke Glasgower Akzent zu schaffen macht. Hinzu kommen Humor, Kreativität und Hilfsbereitschaft. Der noch laufende Umbau zu einer Dienstleistungs- und Kulturmetropole zeigt bereits Früchte, ohne dass die Stadt darüber ihre Authentizität verliert. Am Clyde entstehen modernste Gebäudekomplexe, schwungvolle neue Brücken. In der City locken Shoppingzentren wie Princess Square trendiges ausländisches Design aller Art nach Glasgow. Die herrlichen klassizistischen, viktorianischen und Jugendstilfassaden der Gebäude wurden entstaubt. Inzwischen bestimmen 100 000 Studenten den Drive der Stadt. Der Sektor Design beschäftigt acht Prozent der arbeitenden Bevölkerung. 1990 war die ehemalige Malocherstadt Kulturhaupstadt Europas, 1999 Großbritanniens Architektur- und Designmetropole. Selbst der bis dato fast nur im Ausland gefeierte Jugendstilarchitekt der Jahrhundertwende, Charles Rennie Mackintosh, wurde wieder entdeckt. Absolventen der von ihm in funktionellem Design genial durchgeplanten Art School sind weltweit angesehen. Auch Musik aus Glasgow macht Furore; Franz Ferdinand und Belle & Sebastian sind jüngste Beispiele. Reisenden bereitet die Stadt einen optimistischen, warmherzigen Empfang, gepaart mit rauem, »maskulinem« Charme.
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