Natürlich muss das sein! München klassisch, wie es klingt und kracht mit Kirchenglocken und Lederhosen. Eine Wanderung, für die man sich zwar nicht unbedingt einen Gamsbarthut kaufen muss. Aber schaden kann es auch nicht. Sie sollten nur dran denken, ihn beim Start des Spaziergangs gleich abzunehmen, denn begonnen wird bei der Frauenkirche.
Geschafft von der Strenge der späten Gotik und von der Fahrt auf den südlichen Turm hinauf (99 m), wandern Sie ostwärts zum Marienplatz und haben die erste Rast verdient. Empfehlung dazu: das Weiße Brauhaus. Doch Vorsicht, das Bier ist stark, der Tag noch lang, die nächste Verlockung nah. Im Valentin-Karlstadt-Musäum am Ende vom Tal im Isartor kann man nämlich ganz oben auch Weißwürste genießen, inklusive Weißbier.
Jeden anständigen Bayern zieht es in die Nähe des Maximilianeums, Sitz des Landtages. Sie nutzen dazu die Thierschstraße, die von der Zweibrücken- zur Maximilianstraße führt, und lassen sich zu ein paar Abbiegeabenteuern, etwa durch die Adelgundenstraße, treiben. Das ist Münchner Bürgerarchitektur, wie sie leider in vielen Stadtteilen im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.
Heute reicht ein Blick auf den Landtag, danach biegen Sie in der Maximilianstraße nach links ab, vorbei an der Regierung von Oberbayern, und wandern nach Westen runter zum Max-Joseph-Platz. Hier schütteln Sie wie alle Gamsbarthutträger den Kopf über die frechen Kids, die vor dem ehrwürdigen Nationaltheater mit Inlineskates rumdüsen, und spülen den Ärger über die verdorbene Jugend bei einem Glas Nummer 4a in den Pfälzer Weinprobierstuben in der Residenzstr. 1 runter. Dann liegt der strenge Boulevard der Ludwigstraße vor Ihnen. Vorbei am Geschwister-Scholl-Institut, an der Staatsbibliothek und der Ludwig-Maximilians-Universität, biegen Sie beim Siegestor rechts ab in die schmale Ohmstraße, bevor das Auge beim Anblick des riesigen »Walking Man« in der Leopoldstraße allzu sehr beleidigt wird. Dann schon lieber über die Königinstraße Richtung Innenstadt schlendern oder parallel dazu im Englischen Garten, um sich dem Haus der Kunst mit seiner unrühmlichen Vergangenheit und wunderbaren, hochkarätigen Wanderausstellungen von hinten zu nähern.
Wem das zu anstrengend ist, der wandere durchs Lehel (Liebigstraße) rauf zur Widenmayerstraße und rüber zur Praterinsel. Hier kann man im Gebäude des Deutschen Alpenvereins studieren, wo die Gamsbärte herkommen, oder an der Muffathalle vorbei zum Müllerschen Volksbad wandern. Ein Dampfbad geht immer, denn Sie können alle Utensilien ausleihen.
Jetzt geht es ins Hofbräuhaus. »Kellnerin, a Maß!«, heißt es da, und das bedeutet, dass man freundlich darum ersucht, einen Liter Bier zu bekommen. Nur im Dürnbräu in der gleichnamigen Gasse ist es noch ein bisschen echter und münchnerischer.
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