»Get your kicks on Route 66«. Bobby Troup schrieb das Lied zum Highway und verklärte die legendäre Straße zum Mythos. Unzählige Bücher wurden über die »Mother Road« geschrieben, sogar Filme und eine TV-Serie hat es gegeben, und besonders europäische Urlauber träumen davon, auf der Harley oder im 57 Chevy über die Route 66 nach Westen zu fahren. Seit 1926 gibt es die Straße mit den vielen Beinamen. Zum Mythos wurde sie, weil am Horizont die Freiheit wartete - für die Farmer, die aus der »Dust Bowl« in Kansas und Oklahoma nach Kalifornien flohen, für Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg und ganze Familien, die am Ende der Straße einen Regenbogen vermuteten.
In Chicago führt die Route 66 durch »Al Capone Country«, den Vorort Cicero, der in den »Roaring Twenties« für seine Bandenkriege berüchtigt war. Heute geht es dort friedlicher zu. Durch ein Gewirr von Güterbahnhöfen und Lagerhallen geht es nach Joliet, einer beschaulichen Kleinstadt am Michigan Canal. Doch die Ruhe trügt: In zahlreichen »Riverboat Casinos« klingeln die Silberdollars, und im Rialto Square Theatre (102 North Chicago Street) werden Musicals aufgeführt. Jenseits von Joliet liegen verschlafene Dörfer und weite Felder. In Wilmington grüßt der »Gemini Giant«, ein überlebensgroßer Astronaut im grünen Raumanzug, vor dem Launching Pad Driving In. Während der 1950er-Jahre hielt der Riese eine Benzinpumpe.
Südlich von Bloomington liegt Funk's Grove, eine Geisterstadt mit Ramschladen und verrosteter Zapfsäule. Die Funks, eine deutsche Auswandererfamilie, handeln mit selbst gezapftem Ahornsirup, den man an der Straße kaufen kann. Ein paar Meilen weiter, im Dixie's Trucker Home, bestellen nicht nur Trucker das berühmte »Dixie Roasted Chicken«, und am Soda Fountain aus den »Golden Fifties« werden Cherry Cokes und Milkshakes ausgeschenkt. Der Truckstop hat seit 1928 durchgehend geöffnet.
Ziel der ungefähr dreistündigen Reise ist Springfield, die Hauptstadt von Illinois. Bill Shea, der bereits in den 1960er-Jahren an der Zapfsäule stand, hat seine Tankstelle in ein sehenswertes Route 66 Museum (Di-Sa 7-16 Uhr, 2075 Peoiria Rd.) umgewandelt, und im Cozy Drive-In kann man immer noch die legendären »Cozy Dogs« (frittierte Hot Dogs) kaufen. Jedes Jahr im September findet das International Route 66 Mother Road Festival (Tel. 866/783 66 45) statt. Bekannt wurde Springfield als Heimatstadt von Abraham Lincoln. Sehenswert sind vor allem das Wohnhaus der Familie Lincoln, Lincoln Home (tgl. 8.30-17 Uhr, Eighth/Jackson St.) und das Old State Capitol (tgl. 9 bis 17 Uhr, Downtown Mall). New Salem (Route 97, 32 km nordwestlich von Springfield, tgl. 9-17 Uhr) heißt der originalgetreue Nachbau des Dorfes, in dem Abraham Lincoln 1831-37 lebte (Eintritt jeweils frei). Übernachtungsempfehlung: Northfield Inn (107 Zi., 3289 Northfield Dr., Tel. 217/523 79 00, Fax 523 72 73, €). Das Maldaner's (222 South Sixth St., Tel. 217/ 522 43 13, €) serviert amerikanische Hausmannskost.
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